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"Frankfurter Allgemeine" vom 27.08.2007 Artikel schliessen

von Klaus Wegener

Zweiter Platz für Goller/Ludwig bei der Beachvolleyball-EM
Perspektivteam auf Peking-Feldzug

VALENCIA. Beachvolleyballspieler haben den Wind als Teil ihrer Arbeitsbedingungen akzeptiert - doch so heftig, wie er am Wochenende bei den Europameisterschaften in Valencia wehte, hätten allenfalls Segler ihre helle Freude daran gehabt. Die klagten vor sechs Wochen beim America’s Cup über tagelange Flauten. Bei der EM im Sand wirbelte der Wind bei Stärke sieben den Spielplan gehörig durcheinander. Zu denen, die mit den stürmischen Bedingungen am besten zurechtkamen, zählten Sara Goller und Laura Ludwig sowie die Griechinnen Vassiliki Karadassiou und Vassiliki Arvanity. Beide Teams zeichneten sich in Valencia durch eine perfekte Ballkontrolle und Aufschlagstärke aus. Dass Goller/Ludwig im Finale nach drei Sätzen (15:21, 24:22, 10:15) als Verliererinnen dastanden, lag an der größeren Routine der Konkurrentinnen, die schon 2005 die EM gewonnen hatten.

Für die Berlinerinnen, die für Hertha BSC starten, ist es trotzdem ein Erfolg. Spötter sagen, mit Goller/Ludwig habe die Hertha endlich ein Team, das international spielt - und das mit Erfolg. Ihre Ertragsbilanz wächst und wächst. Deutscher Meister und EM-Vierter 2006, Zweite bei der EM 2007, Weltranglisten-Siebte, bestes deutsches Team in der Olympia-Qualifikation und eine Sympathiebekundung für Sara Goller, die jüngst von den Lesern des Volleyball-Magazins zur "Beachvolleyball-Spielerin des Jahres" gewählt wurde.
 
Erstaunlicherweise reisen Sara Goller und Laura Ludwig nur als "Perspektiv-Mannschaft" durch die Welt - und nicht als Nationalteam. Vor der Saison hatte der Leitungsstab Beachvolleyball des Deutschen Volleyball-Verbandes Pohl/Rau (Hamburger SV), Brink-Abeler/Jurich (USC Münster) und Claasen/Röder (VC Olympia Berlin) als Nationalteams nominiert. Goller/Ludwig erhielten nur den Status eines Perspektivteams für Olympia 2012, was im Klartext heißt: Streichung von Trainerfördergeldern (2000 Euro im Jahr) und Kürzung der Mittel für Reisekosten und Trainingsmaßnahmen. "Wir brauchen aber bei jedem Turnier einen Trainer", sagt Sara Goller. Die Konsequenz: "Die Kosten für die Trainer zahlen die beiden aus eigener Tasche", sagt Olaf Kortmann.
 
Kortmann, der am Sonntag 52 Jahre alt wurde, bildet mit dem Kieler Dirk Severloh das Trainergespann für Goller und Ludwig. Severloh hat es als Spieler auf vier Teilnahmen an deutschen Meisterschaften gebracht und leitet die Trainingseinheiten in Kiel. Kortmann war bis Ende 1998 Bundestrainer der Männer-Nationalmannschaft in der Halle und trainierte bis kurz vor den Olympischen Spielen 2004 in Athen Stefanie Pohl und Okka Rau. Die beiden wollten aber einen Vollprofi als Trainer, was Kortmann nicht leisten konnte. Die Trennung hat ihn damals hart getroffen. "Wir waren schon für Olympia qualifiziert", sagt er. Seitdem haben Pohl/Rau keinen Titel mehr gewonnen, derweil sich der Hamburger neue Ziele gesetzt hat: "Athen hat man mir genommen, jetzt erobere ich mir Peking."
 
Bei den deutschen Meisterschaften am kommenden Wochenende in Timmendorfer Strand wird es nun Gespräche geben müssen, ob und wann Goller/Ludwig eine Beförderung zum Nationalteam bekommen. Im Kurort an der Ostsee erwartet die Nationalteams ein Vortrag von Markus Dieckmann über dessen Reise nach Peking, wo der Weltverband Mitte August ein Testturnier veranstaltet hatte. Der Ex-Nationalspieler hat seine sportliche Karriere beendet und unterstützt nun die alten Weggefährten, indem er sich in Peking nach Hotels und Trainingsstätten umschaute. Ganz sicher wäre der Verband gut beraten, wenn er an dem Erfahrungsaustausch nicht nur die Nationalteams teilhaben ließe, sondern auch seine Perspektiv-Kandidaten.

Frankfurter Allgemeine Zeitung 2007


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